Frankreich ist dafür bekannt, den viertgrößten offiziellen Goldbestand der Welt zu besitzen, obwohl das Land in Bezug auf das Pro-Kopf-Vermögen nur den 23. Platz belegt. In den Tresoren der Zentralbank des Landes, in 39 Rue Croix des Petits Champs in Paris, lagern mehr als 2400 Tonnen Gold. Bei einem Kurs von 60.000 Euro je Kilogramm entspricht das einem Wert von 146 Milliarden Euro. Aber besitzen die Franzosen privat auch so viel Gold?

In den privaten Haushalten ist Gold in verschiedenen Formen vorhanden: Münzen und Barren, Schmuck, aber auch Technologie. Während die Goldinvestitionen der Franzosen seit 2019 zuzunehmen scheinen, ging die Nachfrage nach Goldschmuck in den letzten Jahren zurück. Trotz allem zeigt sich, dass die Franzosen einen kleinen historischen Schatz bewahren. 

40 bis 75 Gramm Gold pro Einwohner?

Im Rahmen des Goldstandards kamen die Franzosen systematisch mit dem gelben Metall in Berührung. Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts haben die Ersparnisse der Franzosen jedoch immer weniger Berührungspunkte mit Gold, da es jedem Einzelnen überlassen bleibt, den Umfang seiner Investitionen in Edelmetalle festzulegen. Wie hoch ist also heute der Anteil an physischem Gold im Vermögen der Franzosen, fast ein halbes Jahrhundert nach dem Ende des Goldstandards?

Basierend auf den Daten der Banque de France (BdF) wissen wir, dass ein Franzose im Jahr 2023 durchschnittlich 91.000 € an Sparguthaben und Finanzvermögen besitzt. Doch während uns das Vermögen der Franzosen in Aktien, Sparbüchern und anderen Anlagen bekannt ist, ist die Frage nach dem Goldbesitz der privaten Haushalte viel schwieriger zu beantworten, da dieser weder vom Statistikinstitut Insee noch von der BdF erfasst wird.

 

Grafik 3 – Die Entwicklung der geschätzten Menge an gehortetem Gold in Frankreich von 1951 bis 2000 (in Tonnen)

 

Die Frage, wie viel Gold die Franzosen besitzen, war Gegenstand zahlreicher Untersuchungen und Schätzungen, insbesondere von Thi Hong Van Hoang (2012), der sich dabei vor allem auf alte Dokumente der französischen Notenbank stützte. Der Autor enthüllt, dass trotz der endgültigen Demonetarisierung des Edelmetalls im Jahr 1978 „Gold in Frankreich weiterhin gehortet wird“. Demnach befanden sich im Jahr 2000 zwischen 3.000 und 5.000 Tonnen Gold im Besitz der Franzosen. Wir können zudem davon ausgehen, dass sie seit 2000 einige Dutzend Tonnen zu ihrem Schatz hinzugefügt haben (37 Tonnen, wenn wir die durchschnittliche Investitionsnachfrage seit 2010 betrachten). Darüber hinaus berichtete die Banque de France vor 50 Jahren, dass dieses Gold überwiegend in Form von Münzen (bis zu 80 %) vorlag – ein Anteil, der heute wahrscheinlich ähnlich ist.

Im Klartext: Angenommen, der von den Franzosen gehortete Goldbestand beträgt 4.000 Tonnen (60 Gramm pro Einwohner), würde dies bedeuten, dass jeder Franzose bei einem Kurs von 60.000 € / kg im Durchschnitt Gold im Wert von 3.600 € besitzt. Das heißt, dass weniger als 4% der durchschnittlichen finanziellen Ersparnisse der Franzosen im Jahr 2023 die Form von physischem Gold annehmen. Diese Schätzungen geben eine ungefähre Vorstellung von der Menge an Gold, die jeder Einzelne besitzt. Darüber hinaus ist es auch interessant zu beobachten, wie sich das Verhalten der Franzosen in Bezug auf Gold in den letzten Jahren verändert hat.

Franzosen kaufen immer mehr Münzen und Barren

Nach Angaben des World Gold Council hat die Nachfrage nach Münzen und Barren in Frankreich im Jahr 2022 fast 6 Tonnen erreicht (oder 0,086 Gramm pro Einwohner). Diese Zahl mag gering erscheinen im Vergleich zur Schweiz, die eine Nachfrage von fast 50 Tonnen verzeichnet, oder im Vergleich zu Deutschland, wo sie über 180 Tonnen beträgt. Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der Nachfrage nach Münzen und Barren in Frankreich seit 2010:

 

 

Es wird deutlich, dass das Interesse der Franzosen für Goldanlagen direkt mit dem Preis des gelben Metalls korreliert. Zwischen 2014 und 2019 verkauften die Franzosen Anlagegold (auf dem Tiefststand), bevor eine neue Kaufwelle begann, die bis 2023 anhält. Die Franzosen interessieren sich also seit einigen Jahren wieder für den Kauf von Münzen und Barren.

Damit wir uns die Nachfrage der Franzosen nach Goldinvestitionen besser vorstellen können, stützen wir unsere Berechnung auf die berühmte 20-Francs-Münze „Napoléon d'or“, die im Januar 2023 bei rund 365 € notiert. Wenn also ein Franzose im Jahr 2022 Gold im Wert eines „Napoleons“ zu 20 Francs erwirbt, entspricht dies der durchschnittlichen Gesamtnachfrage von 75 Franzosen! Mit anderen Worten: Der Anteil der Franzosen, die Anlagegold kaufen, ist äußerst gering, denn der Kauf von einer einzigen 20-Francs-Napoleon-Goldmünze reicht im Jahr 2022 aus, um die jährliche Nachfrage nach Goldinvestitionen von 75 Einwohnern zu decken.

Kaufen die Franzosen immer weniger Goldschmuck?

Nach Angaben des World Gold Council ist die Nachfrage nach Goldschmuck in Frankreich seit 2010 um fast 32 % gesunken (und während der Corona-Pandemie um bis zu 50 %). Darüber hinaus nimmt die Zahl der Schmuckträger in Frankreich immer weiter ab. Handelt es sich dabei nur um eine Modeerscheinung (zugunsten von Modeschmuck oder anderen Metallen), um Sicherheitsbedenken oder um eine echte Kaufkraftkrise? Tatsächlich scheint sich der Trend einer sinkenden Goldnachfrage in der Schmuckindustrie seit 2021 abzuschwächen. Zwischen 2020 und 2022 stieg der Umsatz von Juwelieren und Schmuckhändlern um 84%, nachdem er zwischen 2010 und 2018 lange Zeit stagniert hatte. Während die Nachfrage nach Goldschmuck in Frankreich in den letzten 10 Jahren rückläufig war, scheint sich der Trend nun zu stabilisieren:

 

 

Darüber hinaus ist auch die Schmuckbranche von der Inflation betroffen. Im Jahr 2022 stieg der Verbraucherpreisindex für Uhren und Schmuck um 4,7%. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2023 ist zudem eine Stagnation der Nachfrage nach Goldschmuck festzustellen. Zum Vergleich: Die höchste Goldnachfrage für die Schmuckherstellung in Europa haben Italien und das Vereinigte Königreich (mit 19,4 bzw. 19,3 Tonnen im Jahr 2022). Deutschland hat seinerseits eine geringere Nachfrage als Frankreich. Die Franzosen haben in den letzten Jahren zwar wieder mehr Gefallen an Schmuck gefunden, aber die Auswirkungen auf die Goldnachfrage sind noch gering.

Die Länder, die am meisten Gold kaufen

Wenn wir uns die aggregierte Nachfrage für Schmuck und Investitionen anschauen, konstatieren wir eine Verdopplung der Goldnachfrage in Frankreich seit 2016. Dennoch entspricht die Goldnachfrage der Franzosen im Jahr 2022 (fast 20 Tonnen) lediglich einer Rückkehr zum Niveau von 2012. Mit anderen Worten: Das Interesse der Franzosen für Gold scheint größtenteils vom Goldpreis selbst abzuhängen (die Nachfrage steigt mit höheren Preisen). Es gilt jedoch auch die Schmucknachfrage zu berücksichtigen, die wohl eher von Modeerscheinungen, dem Sicherheitsgefühl und der Kaufkraft abhängt.

Durchschnittliche Verbrauchernachfrage nach Gold, pro Kopf (2010-2022, jährlich, in Gramm). Quelle: WGC

Schweiz

6.53

VAE

6.19

HongKong SAR

5.95

Kuwait

3.40

Singapur

2.78

Saudi-Arabien

2.20

Deutschland

1.66

Türkei

1.39

Österreich

1.31

Australien

1.29

Thailand

1.04

 

 

Insgesamt belief sich die Goldnachfrage der Franzosen im Jahr 2022 auf etwa 0,3 Gramm pro Kopf... Damit liegt Frankreich laut World Gold Council auf dem 25. Platz, was in etwa der Position des Landes in Bezug auf den Pro-Kopf-Reichtum entspricht. Weit vor Frankreich lagen die Vereinigten Arabischen Emirate und die Schweiz, die im Jahr 2022 jeweils eine Nachfrage von 5,6 Gramm Gold pro Kopf hatten. Global betrachtet ist die Goldnachfrage pro Einwohner aber offensichtlich in der Schweiz am höchsten (mit durchschnittlich 6,5 Gramm pro Jahr seit 2010).

Die Länder mit den größten Goldreserven

Wir haben die privaten Goldreserven in Frankreich untersucht und gezeigt, dass sie wahrscheinlich höher sind als die Goldreserven der Banque de France. Darüber hinaus zeigt sich, dass die Länder des alten europäischen Kontinents, wie die Schweiz, Italien, Deutschland oder Frankreich, pro Kopf eine weitaus höhere Goldreserve im Besitz der Zentralbank haben als der Rest der Welt. Weltmeister bei den Pro-Kopf-Goldreserven ist nach wie vor die Schweiz, deren Notenbank umgerechnet 116 Gramm Gold für jeden Einwohner hält. Italien und Deutschland haben einen Bestand von etwa 40 Gramm je Einwohner, während Frankreich 36 Gramm besitzt.

 

Goldreserven pro Kopf (in Gramm)

Land

Goldreserve / Einwohner

USA

24.28

Deutschland

39.62

Italien

41.75

Frankreich

36

Russische Föderation

15.9

China

1.55

Schweiz

116.85

 

Die USA, die über die größten offiziellen Goldreserven der Welt verfügen (mehr als 8.100 Tonnen Gold), liegen mit 24 Gramm Gold pro Kopf auf dem 5. Platz. Weit abgeschlagen sind Russland mit 16 Gramm und China mit nur 1,5 Gramm Gold pro Einwohner, gemessen an den offiziellen Reserven.

Wenn wir also die 60 Gramm Gold, die im Durchschnitt jeder Franzose privat besitzt, zu den offiziellen Beständen hinzuaddieren, ergibt sich daraus, dass die Franzosen einen der höchsten Goldbestände der Welt haben (über 90 Gramm pro Person). Ähnlich wie für Frankreich gibt es für die USA Schätzungen, die den privat gehorteten Goldbestand auf bis zu 26.000 Tonnen beziffern. Insgesamt hätten die Amerikaner somit einen (privaten und staatlichen) Goldbesitz von 77,6 Gramm je Einwohner, ein niedrigerer Wert als in Frankreich. Zudem befinden sich zum Beispiel in Indien schätzungsweise fast 25.000 Tonnen Gold in Privatbesitz. Auf globaler Ebene wird also deutlich, dass sich das Gold hauptsächlich in privaten Händen befindet – anders als manche vielleicht vermuten.

Gold lagern, um den Platz in der Geschichte zu sichern

Aufgrund seiner früheren Macht hat Frankreich eine beträchtliche Menge an Gold verarbeitet: Zwischen 1640 und 1792 wurden Millionen Stück der Goldmünze „Louis d'or“ geprägt und zwischen 1803 und 1914 weitere 515 Millionen Napoleon-Goldmünzen zu 20 Francs (davon 118 Millionen Münzen „Marianne Coq“). Somit entfällt allein auf Napoleon III. fast die Hälfte der 515 Millionen „Napoléons“ von 1803 bis 1914, für die nicht weniger als 3.000 Tonnen Gold benötigt wurden. Auch wenn ein Großteil dieses Goldes wieder eingeschmolzen, weiterverkauft oder weiterverarbeitet wurde, bewahren die Franzosen auch heute noch einen Teil dieses historischen Erbes.

Die Frage nach dem Goldbesitz hat die Menschen schon immer fasziniert, und wir finden erste Schätzungen bereits im ersten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung. So erwähnt das Alte Testament in Kapitel 10 des Buches der Könige den Reichtum und die Weisheit Salomos:

„Das Gewicht des Goldes, das alljährlich bei Salomo einging, betrug sechshundertsechsundsechzig Goldtalente [fast 20 Tonnen]. Dabei sind nicht eingerechnet die Abgaben der Kaufleute und die Einnahmen, die von den Händlern, von allen Königen Arabiens und von den Statthaltern des Landes kamen. [...] Alle Trinkgefäße des Königs Salomo waren aus Gold; ebenso waren alle Geräte des Libanonwaldhauses aus bestem Gold. Nichts war aus Silber: Silber galt in den Tagen Salomos als wertlos“

 - Altes Testament, Buch der Könige, Kapitel 10.

Ist es nicht eine vortreffliche Lehre aus der Geschichte, wenn schon König Salomon vor 3.000 Jahren ebenso viel Gold zufloss, wie die Franzosen im Jahr 2022 kauften?  Eine Umfrage des World Gold Council aus dem Jahr 2019 ergab: „Gold ist eine gängige Wahl für Anleger und das dritthäufigste unter den Finanzprodukten, in die regelmäßig investiert wird. 46 % aller Privatanleger weltweit entscheiden sich für Goldprodukte, gleich nach Sparkonten (78 %) und Lebensversicherungen (54 %). In Bezug auf Schmuck zeigt die Umfrage, dass 56 % der Verbraucher Schmuck aus Feingold gekauft haben, verglichen mit 34 %, die Schmuck aus Platin gekauft haben".

Schlussfolgerung

In diesem Artikel haben wir Folgendes gezeigt:

  • Frankreich besitzt einen der größten Goldbestände der Welt. Die Zentralbank des Landes hält umgerechnet 36 Gramm Gold je Einwohner.
  • Privat besitzen die Franzosen wahrscheinlich noch mehr Gold, höchstwahrscheinlich zwischen 40 Gramm und 70 Gramm pro Kopf, wie zu Ende des 20. Jahrhunderts erhobene Daten zeigen.

Eine bessere Vorstellung dieses Goldbestands erhalten wir durch den Vergleich mit den finanziellen Ersparnissen der Franzosen. Wenn man davon ausgeht, dass jeder Franzose 60 Gramm Gold besitzt, entspricht dies einem durchschnittlichen Wert von 3.600 € Gold je Einwohner oder weniger als 4 % der gesamten von der Banque de France erfassten finanziellen Ersparnisse. Wenn 4 % bis 6% der Franzosen einen 1-kg-Barren kaufen würden, entspräche diese Menge also bereits dem gesamten inländischen Goldbesitz. Es steht außer Frage, dass dieser Goldbesitz ungleich verteilt ist und stark von Alter und Einkommen abhängt. Nichtsdestotrotz besitzen die Franzosen dennoch so viel Gold, dass es andere neidisch machen könnte.

Außerdem haben die Franzosen in den letzten Jahren immer mehr Anlagegold gekauft. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Gold in Form von Schmuck etwas zurückgegangen, obwohl die Zahlen in Kürze eine Umkehrung dieses Trends zeigen könnten. Insgesamt haben die Franzosen einen der höchsten Goldbestände (privat und öffentlich) der Welt. Die Schweiz, Deutschland, Italien und Frankreich zählen zu einer Reihe von Ländern, die aufgrund ihres historischen und wirtschaftlichen Erbes über beträchtliche Goldreserven verfügen. Auch wenn der Lebensstandard in Frankreich in internationalen Rankings fällt, wird das Erbe des Landes bewahrt.

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